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Die Geschichte von Vietnam

Die Geschichte Vietnams ist – aus Sicht der Vietnamesen – vor allem eine Geschichte der steten Gegenwehr und Verteidigung gegenüber Eroberern wie China, Japan, den USA oder Frankreich.

Erste Spuren menschlicher Aktivität im Gebiet des heutigen Vietnams lassen sich bis vor 300.000 bis 500.000 Jahren zurückdatieren. Gegen 207 vor Christus eroberte der Volksstamm der Lac Viet das Reich der Au Lac. Die Lac Viet nannten das Gebiet Nam Viet, was soviel heißt wie “Südliches Land der Viet”. Etwa 100 Jahre später wurde Nam Viet von den Chinesen erobert, es begann eine tausendjährige chinesische Herrschaft über die Vietnamesen, die deren Kultur und Staatswesen maßgeblich prägen sollten.

Die Herrschaft der Chinesen

So wurde die chinesische Sprache zur offiziellen Amtssprache in Nam Viet. Im 10. Jahrhundert wurden die Chinesen schließlich von den Vietnamesen vertrieben, um 968 das Reich von Annam zu gründen. Obwohl sich zu dieser Zeit lokale Herrscher bekriegten und um die alleinige Macht kämpften, existierte nach wie vor die chinesische Oberhoheit. Um 1100 erlebte der Buddhismus sowie die vietnamesische Kunst unter der Ly-Dynastie, der ersten bedeutenden Dynastie Vietnams, eine Blütezeit. In den folgenden Jahren herrscht ein stetes Hin und Her zwischen chinesischer und vietnamesischer Machtergreifung, bis Le Loi im Jahre 1427 die Le-Dynastie gründet, die bis 1789 Bestand hatte. Unter den Le wurden vietnamesischen Traditionen wieder bewusst Bedeutung zugesprochen. Champa wird unter der Herrschaft der Le erobert und die vietnamesische Macht kann sich bis an den Mekong ausdehnen. Im Jahre 1771 bricht ein Bürgerkrieg aus, die so genannte Tay-Son-Rebellion, aus der Prinz Nguyen Phuc Anh, Sohn einer einflussreichen Händlerfamilie, im Jahre 1802 als Sieger hervorgeht. Er krönt sich selbst zum Kaiser Gia Long, gibt dem Land erstmals den Namen Viet Nam und verlegt die Hauptstadt des Landes nach Hue. Schnell wird das Territorium des Reiches erweitert, so dass bereits 1834 große Teile des heutigen Kambodscha zu Vietnam gehörten.

Das französische Protektorat

Im Jahre 1884 vereinnahmt Frankreich den noch nicht kolonialisierten Teil Vietnams als französisches Protektorat. Das Land wurde in die drei Teile Cochinchina (Südvietnam), Annam (Zentralvietnam) und Tongking (Nordvietnam) aufgeteilt. Zu dieser Zeit zieht es viele vietnamesische Studenten und Intellektuelle nach Europa, die dort, vor allem in Frankreich, mit den Ideen des Nationalismus und Kommunismus in Kontakt kommen. Ho Chi Minh war einer von ihnen, er vereinigte im Jahre 1929 die kommunistischen Parteien in Annam, Cochin-China und Tonkin zu einer Einheitspartei.

Die Häuserfronten in Hoi-An haben sich ihren alten Charme bewahrt
Die Häuserfronten in Hoi-An – Relikte aus der französischen Kolonialzeit

Die Bedrohung durch japanische Truppen wird stärker

In den Folgejahren wurde die Bedrohung durch japanische Truppen immer stärker. 1938 konnten sie die Hafenstadt Kanton sowie die Insel Hainan einnehmen. Im Juli 1941 marschierten sie schließlich in das Land ein und besetzten Vietnam. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges im August 1945 wurde Vietnam in Zusammenarbeit mit der französischen Kolonialverwaltung durch Japan verwaltet. Die Vietnamesen wurden sowohl von den Franzosen als auch den Japanern ausgebeutet. Die Besatzer forderten mehr und mehr Nahrungsmittel ein, wodurch es im Jahre 1945 zu einer schweren Hungersnot kam, bei der ca. zwei Millionen Menschen Vietnamesen ihr Leben ließen.

Die „Liga für die Unabhängigkeit Vietnams“ setzt sich gegen die Besatzer durch

Nachdem Ho Chi Minh 1941 aus dem Exil zurückgekehrt war, wurde aus einer Vielzahl von Widerstandsgruppen die Viet Minh, eine „Liga für die Unabhängigkeit Vietnams“ gegründet. Sie hatte es sich zur Aufgabe gesetzt, den japanischen Imperialismus sowie den französischen Kolonialismus abzuwehren und sich gegen die Besatzer durchzusetzen. Dabei erhielten die Viet Minh die Unterstützung der USA.

Am 25. August 1945 kapitulierte Japan und der Kaiser Bao Dai musste abdanken. Schon wenige Tage später, am 2. September 1945 proklamierte Ho Chi Minh die Demokratische Republik Vietnam, die von den Franzosen zunächst als autonomer Staat innerhalb der Union Francaise anerkannt wurde. Vietnam wurde damit die erste unabhängige Republik Südostasiens. Nach der Potsdamer Konferenz fiel Vietnam in den Machtbereich der Briten. Nachdem es allerdings zu Aufständen im Süden des Landes kam, baten die Briten die besiegten Japaner ihnen zu helfen und im Süden einzuschreiten. Im Norden des Landes marschierten ab September 1945 chinesische Truppen ein. Am 23. September 1945 erzwangen die Franzosen schließlich die Wiedererrichtung des kolonialen Regimes in Südvietnam, so dass französische Truppen am 5. Oktober Saigon besetzten und die Chinesen und Briten Vietnam wieder an Frankreich übergaben. Nachdem Frankreich das inzwischen unabhängige Nordvietnam wieder gefügig machen wollte, brach der Indochinakrieg im Jahre 1946 aus, der schließlich nach jahrelangem Guerillakampf in der Schlacht von Dien Bien Phu am 7. Mai 1954 mit einem Sieg der Viet Minh gelang. Auf der Genfer Konferenz am 21. Juli 1954 wurde schließlich die Teilung Vietnams in die nördliche Demokratische Republik Vietnam mit der Hauptstadt Hanoi und die südliche Republik Vietnam mit der Hauptstadt Saigon beschlossen. In den folgenden Jahren herrschen Chaos und Korruption, bis die USA schließlich eine Militärjunta einsetzt und Duong Van Minh zum Staatschef erhebt.

Ho-Chi-Minh-Mausoleum in Hanoi
Ho-Chi-Minh-Mausoleum in Hanoi

Militärangriffe der USA – Beginn des Vietnamkrieges

Ab 1964 rüsteten die USA ihre militärischen Mittel massiv auf und starteten Angriffe auf Nordvietnam, die schließlich zu einem heftigen Luftkrieg wurden. Zu dieser Zeit ging die USA gemäß der Domino-Theorie davon aus, dass das westlich orientierte Südvietnam durch Infiltration nordvietnamesischer – also kommunistischer – Kräfte umkippen und ebenfalls kommunistisch werden könnte.

1968 konnten die Viet Cong in der Tet-Offensive einige Städte Südvietnams einnehmen sowie die Botschaft der USA in Saigon angreifen. Da mehr und mehr klar wurde, dass der Konflikt ausartete und der Krieg nicht mehr gewonnen werden konnte, beschlossen die USA 1969 den Abzug ihrer Truppen. Am 3. September 1969 starb der Präsident Nordvietnams Ho Chi Minh. Die Bombardierungen und Luftangriffe, insbesondere die Verwendung von Entlaubungsmitteln, dauerten jedoch bis 1973 an. Am 28. Januar 1973 wurde ein Waffenstillstand zwischen der Demokratischen Republik Vietnam und den USA beschlossen, in Paris der entsprechende Friedensvertrag unterzeichnet. Damit endet die direkte Kriegsbeteiligung der USA, die Nordvietnamesen setzten den Kampf gegen Südvietnam jedoch fort, bis Saigon am 21. April 1975 schließlich vor dem Fall steht und Staatschef Nguyen Van Thieu sein Amt niederlegt. Sieben Tage später wird Saigon eingenommen; Südvietnam kapituliert bedingungslos. Der Vietnamkrieg ist damit zu Ende.

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Nord- und Südvietnam vereinigen sich

Am 2. Juli 1976 kommt es zur Wiedervereinigung Nord- und Südvietnams unter dem Namen Sozialistische Republik Vietnam. Die ehemalige Hauptstadt Südvietnams Saigon wird in Ho-Chi-Minh-Stadt umbenannt.

1979 marschiert Vietnam in Kambodscha ein, um dem infolge des Vietnamkrieges entstandenen Terrorregimes der Roten Khmer sowie den kriegerischen Auseinandersetzungen auf vietnamesisches Gebiet ein Ende zu bereiten. Am 7. Januar 1979 gelingt den vietnamesischen Truppen die Eroberung der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh. Es soll jedoch noch zehn Jahre dauern, bis sich die Truppen aus dem Gebiet zurückziehen.

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