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Leben in Vietnam

Vietnam ist für viele ein Traumland. Traumhafte Landschaften, tropisches Wetter und palmengesäumte Strände. Die Klischees über Vietnam sind vielseitig und die Bilder dieses Landes überall präsent. Aber so einfach es ist, dieses Land als Tourst zu bereisen, so schwierig ist es für Ausländer, in diesem Land für längere Zeit zu leben. Es fängt bereits mit der Sprachbarriere an, da nur wenige Ausländer die vietnamesische Sprache wirklich beherrschen. Die meisten „Expats“, wie Ausländer, die länger im Ausland leben, genannt werden, beherrschen allenfalls Englisch. Aber auch die vietnamesische Bürokratie ist mehr eine Hürde als eine wirkliche Hilfe. Vietnam ist kein Einwanderungsland und hat strikte Vorschriften, was das Einwandern in dieses Land angeht. In den letzten Jahren haben sich aber mehr und mehr Ausländer für Vietnam als Wahlheimat entschieden. Wie auch immer, eine vietnamesische Staatsbürgerschaft ist für Ausländer generell ausgeschlossen.

Der reiche Hello

Vietnam ist ein gastfreundliches Land, das zwar einige Probleme hat, aber Ausländer sind generell willkommen. Sie haben einen hohen Status in der vietnamesischen Gesellschaft. Ausländer, die ein wenig unfreundlich als „Hello“ bezeichnet werden, gelten als gemeinhin reich, gut erzogen und als gute Partie. Wer allein durch Vietnam reist, wird bereits schnell Bekanntschaft mit dem Vater oder der Mutter machen, die gerne ihren Sohn oder Tochter an einen reichen Ausländer vermittelt sähen. Vietnam ist ein Land mit günstigen Lebenshaltungskosten und deswegen auch für die meisten Ausländer erschwinglich. Ein großzügiges Leben in Vietnam ist für 500 bis 1.000 Euro im Monat zu beziffern. Allerdings sollten sich Ausländer nicht die Hoffnung auf tiefgehende Freundschaften machen – jenseits des Party-Alltags, bei dem man gerne gesehen ist – gibt es kaum Berührungsansätze. Ausländer leben ihr Leben, Vietnamesen das ihre. Einsam muss man aber keineswegs sein. Beziehungen, nicht nur freundschaftlich, sondern auch emotional, gibt es zwar, aber häufig mit einem starken materialistischen Hintergrund. Vietnamesen suchen sich Freunde, die Beziehungen haben. Dies haben viele Ausländer eben nicht. Allerdings sind Vietnamesen wie alle Völker Asiens ein offenes, gastfreundliches und stets hilfsbereites Volk.

Vietnam, das Preußen Asiens

Bürokratie ist in jedem Land eine eher nervige Angelegenheit. Doch erscheint die vietnamesische als besonders rigoros. Wer langfristig nach Vietnam kommen will, hat einige Hindernisse zu überwinden. Das erste ist das Problem des Aufenthaltes. Vietnam vergibt zwar eine Residence Card, aber nur an diejenigen, die ein Jahr oder länger in diesem Land arbeiten. Die meisten Ausländer müssen sich mit einem Drei-Monats-Visum begnügen, das stets verlängert oder erneuert werden muss. Denn eine Residence Card ist eben an Arbeit gebunden. Und Arbeit zu finden, ist nicht so einfach: Ausländer dürfen in Vietnam nicht arbeiten! Es gibt drei Ausnahmen: Sie werden entsendet, von der vietnamesischen Regierung oder Wirtschaft eingeladen, oder der Ausländer kommt als Existenzgründer. Einen Job im Büro gibt es nicht. Die meisten Ausländer arbeiten deswegen als Englischlehrer, da dieser Job als „Spezialist“ verbucht wird. Aber nicht nur diese bürokratischen Hindernisse sind zu überwinden, auch alltägliche Probleme machen sich bemerkbar: Ausländer dürfen keinen Besitz erwerben. Ein Haus, Auto oder Motorrad geht nur mit ein wenig juristischer Haarspalterei. Immobilienbesitz ist generell ausgeschlossen. Hier muss immer ein Vietnamese (vorzugsweise ein Ehepartner) mit seinem Namen in den Papieren stehen. Dies öffnet aber auch Nepp und Betrug Tür und Tor – wie viele Ausländer haben ihr Geld in einem Haus angelegt, das dem geliebten Ehepartner übertragen wurde. Im Falle einer Scheidung oder Trennung gibt es keine Entschädigung.

So nah und doch so fern

Und letztlich bildet der vietnamesische Alltag die größte Hürde. Hinter dem Vorhang des Alltäglichen schlummert der exotische Realismus: Obwohl das Leben eigentlich wie in Deutschland abläuft, ist alles irgendwie ganz anders. Das Essen, die Wohnung, ja selbst die Art des Wohnens. Alles ist gewöhnungsbedürftig. Und als Ausländer kommt man sich vor wie ein kleines Kind. Alles muss neu erlernt werden. Vietnamesen zeigen einem gerne, wie es richtig gemacht wird, aber dies führt bei vielen Expats dann doch ein wenig zu Frust. Man fühlt sich kontrolliert. Hinzu kommt der vietnamesische Mangel an Privatsphäre. Alles wird in der Öffentlichkeit getan. Die Haustüre eines vietnamesischen Hauses ist immer offen, man sieht alles, man hört alles. Aber auch der Umgang der Vietnamesen untereinander, und langfristig dann auch mit dem Fremden, ist sehr rigoros. Ich bin immer wieder erstaunt, wie unhöflich Vietnamesen untereinander miteinander umgehen. Auch die Beziehungen von Vietnamesen sind materialistisch bestimmt: Man freundet sich nur mit jemandem an, der einen langfristig weiterbringen kann, finanziell oder im Status. Emotionale Freundschaften existieren kaum und werden auch nicht gerne gesehen. Der Alltag vieler Vietnamesen dreht sich lediglich ums Arbeiten – in einem Dritte-Welt-Land, in dem bis vor wenigen Jahren noch Hungersnöte erlebt wurden, nicht unverständlich.

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Leben in Vietnam – ein Fazit

Ganz schlimm ist langfristig der Mangel an europäischer Kultur. Kein Kaffee, keine Schokolade, kein Käse. Das mag vielleicht ein kleines Problem sein, aber die vollkommen ungewohnte Umgebung stellt für die meisten Expats das größte Hindernis dar. Wer sich nicht diesem Land langfristig öffnet, wird nicht bestehen können.

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8 comments

  1. Ich war in Vietnam.
    Käse und Schokolade kann man (auch wenn aus dem Ausland) kaufen.
    Habe mir in Deutschland das Kaffeetrinken abgewöhnt, weil er mir nicht schmeckt. In Vietnam trinke ich wieder sehr gern Kaffee (aus dem südlichen Hochland). Kenner behaupten, es sei der beste Kaffee der Welt!

    • Vietnamurlaub-Team

      Hallo Herr Jankowski,

      es freut uns, dass Ihnen der Kaffe in Vietnam geschmeckt hat bzw. schmeckt.

      Viele Grüße

      Ihr Vietnamurlaub-Team

  2. Kein Kaffe? Überall in Vietnam wird auf den Strassen Kaffe getrunken. Und der kann sich auch mit unserem europäischem Kaffe messen! Die Einheimischen geniessen ihn jedoch meisens kalt.

  3. Hallo
    Danke fuer Ihren ausfuehrlichen und anschaulichen Bericht.
    Wir leben hier als Familie in Hanoi seit mittlerweile fast 2 Jahren. (GIZ EH).
    Inzwischen kann man in den Grossstaedten tatsaechlich Kaese kaufen. Wenn man bereit ist fuer ein 100g Stueck 80.000 VND zu bezahlen. Dieses ist dann, je nach Lagerung, bitter. Tipp ist hier die Metro.
    Deutschen Kaffee gibt es tatsaechlich fast nicht zu erwerben. An dem hiesigen Kaffee scheiden sich die Geister. Der Vietnamesische Kaffee ist ein „Schwarzbrand“ und eher mit einem Mokka zu vergleichen als einem „Americano“ In zahlreichen Restaurants bekommt man mittlerweile die ueblichen westlichen Kaffeekreationen zu westlichen Preisen.
    Wir sind sehr stolz hier zu arbeiten, sind aber doch froh wenn wir bald nach hause duerfen.
    Schoene Gruesse aus Hanoi, Vietnam Oliver Stuckert

    • Vietnamurlaub-Team

      Hallo Oliver,

      vielen Dank für deinen kleinen Erfahrungsbericht.

      Wir wünschen dir weiter eine tolle Zeit in Vietnam!

      Viele Grüße

      Dein Vietnamurlaub-Team

  4. Vietnam ist ein schönes Land, hab viele Erfahrungen dort gemacht, und dies hat mein Leben geprägt. Ich würde dieses Land für jeden der Abenteuer sucht, empfehlen.

  5. Vietnam ist ein schönes Land, hab viele Erfahrungen dort gemacht, und dies hat mein Leben geprägt. Ich würde dieses Land für jeden der Abenteuer sucht, empfehlen.

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