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Reisebericht Sapa (Sa Pa)

Sapa (Sa Pa) ist neben Hanoi und der Halong-Bucht das drittbeliebteste Ausflugsziel des Nordens von Vietnam. Wer den Nordvietnam bereist, wird unweigerlich auch einen Abstecher nach Sapa unternehmen. Das kleine Örtchen in der Provinz Lao Cai hat sich gerade in den letzten Jahren zu einem beliebten Ausflugsziel entwickelt. In herrlicher Landschaft lässt sich hier der Alltag der ethnischen Minderheiten des Nordens erleben. Unter den Franzosen erfreute sich Sapa großer Beliebtheit, denn hier herrschen immer kühlere Temperaturen vor. Sapa liegt so weit oben, dass es ab November empfindlich kalt werden kann. Im Dezember und Januar ist sogar mit Frost und ab und an auch mit Schnee zu rechnen.

Von Hanoi aus gibt es zwei Möglichkeiten nach Sapa zu gelangen: Bus oder Bahn. Ein Privatauto mit Fahrer stellt zwar auch eine Möglichkeit dar, ist allerdings sehr kostenintensiv. Egal, für welches Fortbewegungsmittel man sich entscheidet: Es dauert lange! Zehn Stunden Fahrt sollten schon eingeplant werden. Eine direkte Verbindung nach Sapa gibt es nicht, man wird in Lao Cai umsteigen müssen. In kleinen Transportern werden Besucher dann ins hoch gelegene Sapa gebracht. Es empfiehlt sich, die Reise so zu legen, dass man abends in Sapa eintrifft, ein wenig essen und bummeln kann, um dann zu schlafen. Am nächsten Morgen sind die Besucher dann fit für die Wanderungen.

Reisterassen in der Nähe von Sapa
Reisterassen in der Nähe von Sapa
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Homestays: Begegnungen mit den ethnischen Minderheiten

Sapa hat nur wenige Sehenswürdigkeiten zu bieten, dafür aber reichlich Natur. Die hohen, grünen Berge mit ihren Reisterrassen bieten ein atemberaubendes Panorama für die Aktivitäten – die Hauptattraktion des Örtchens.

Sapa war einst Marktort für die in dieser Region lebenden ethnischen Minderheiten, wie Hmong und Dao. Sie alle leben in kleinen Dörfern über die Hänge und das Tal verteilt. Die Minderheiten leben hier in großer Höhe vom Reisanbau und Sammeln. In kleinen Marktflecken bieten sie ihre Waren an, kommen mit den Vietnamesen und den Ausländern in Kontakt. Jedes Volk, und es gibt knapp ein Dutzend, unterscheidet sich in Sprache, Kleidung, Traditionen und Architektur von den anderen. Sie alle bewohnen ein relativ kleines Gebiet friedlich nebeneinander. Während die Minderheiten nomadisierend lebten, leben heute in Dörfern zusammen.

Die ethnischen Minderheiten bieten Besuchern in Sapa an, ihre Lebensweise kennenzulernen. Besonders beliebt sind Homestays in einem Dorf der Minderheiten. Hier können Gäste hautnah den Alltag der Einheimischen beobachten und daran teilnehmen. Allerdings sollte man beachten, dass diese Menschen schon viele Gäste beherbergt haben, in der Regel auch Englisch sprechen und bereits den westlichen Lebensstil kennen. Man sollte also nicht allzu enttäuscht sein, wenn die entsprechende Familie eben nicht unberührt von westlichem Einfluss ist.

In Vietnam kann man Reisterassen an vielen Orten antreffen
In Vietnam kann man Reisterassen an vielen Orten antreffen

Sapa – ein Touristen-Zirkus?

Nun hat sich Sapa seit einigen Jahren zu solch einem beliebten Touristenmagnet entwickelt, dass täglich ganze Massen durchs Tal strömen. Lediglich durch die Weite des Tals fällt weniger auf, wie viele  Menschen sich im Tal aufhalten. In Sapa jedoch herrscht Trubel, Gedrängel, Feilschen und Souvenirshopping pur. Eigentlich müssten dies Besucher nach einer Reise durch Vietnam gewöhnt sein, doch hier im Gebirge mit den Einheimischen fühlt man sich doch ein wenig betrogen. War man doch auf der Suche nach Natur, Ursprünglichkeit, ethnischen Völkern. Besucher sollten das Beste daraus machen. Schließlich sind alle nur wegen der Landschaft und der Einheimischen da.

Traditionen werden ersetzt, die Moderne hält Einzug

Ist Sapa nun ethnischer Zirkus, Touristenbespaßung oder noch Real-Life-Erleben des ethnischen Alltags? Es ist nicht leicht zu beantworten. Natürlich bieten die Ethnien vieles für die Touristen an, doch die Märkte, die Heiratsmärkte allzumal, veranstalten sie für sich. Es ist keine Inszenierung von Alltag. Man merkt es auch, da sich dieser ändert. Die Moderne hält Einzug, Traditionen ändern sich und werden durch die Moderne ersetzt. Für die Ethnien bedeuten die Besucher Sapas Einkünfte und damit die Möglichkeit, sich mit diesem Geld zu modernisieren. Eine zweischneidige Angelegenheit, denn dadurch entziehen sie sich ihrer Kultur und wiederum der Lebensgrundlage. Denn, ehrlich, wir westlichen Touristen reisen nicht wegen verbauten Betonstädten nach Sapa, sondern um das romantisierende Leben der „Wilden“ kennenzulernen. Eine herbe Enttäuschung, wenn man es nicht sieht? Vielleicht, aber durchaus auch lehrreich, wenn man erkennt, das zehntausend Kilometer entfernt von zuhause die Menschen auch nur arbeiten und abends fernsehen.

Wer allerdings viele Menschen, Trubel und eher industrielle Abfertigung nicht mag, ist hier in Sapa nicht so gut aufgehoben. Da jedoch die gesamte Region Heimat zahlreicher ethnischer Minderheiten ist, stellt Mai Chau eine gute Alternative für all diejenigen dar, denen Sapa zu viel Trubel ist. Sapa zu meiden, nur weil ethnische Minderheiten ihre Traditionen aufführen, ist ein wenig übertrieben. Sapa bietet eine herrliche Atmosphäre, die man nicht verpassen sollte.

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